KÜCHENCHAOS

"Nimm Salz wie ein Geizhals, Essig wie ein Weiser, Olivenöl wie ein Verschwender..."

Kleftiko – gestohlenes Lamm, langsam gegart
Rezept von Küchenchef • Klassische Mani-Küche

Kleftiko – gestohlenes Lamm, langsam gegart

Das Gericht der Freiheitskämpfer. Lamm im Pergament gewickelt, stundenlang im Ofen gegart, bis das Fleisch sich vom Knochen löst. Geschichte auf dem Teller.
Der Name sagt alles und verschweigt das Wesentliche. Kleftiko bedeutet gestohlen. Die Klephten – griechische Freiheitskämpfer, die sich während der osmanischen Besetzung in die Berge des Peloponnes zurückzogen – stahlen Lämmer und Ziegen von den Herden der Bauern. Sie kochten das Fleisch in Gruben, die sie in die Erde gruben, mit glühenden Kohlen, versiegelt mit Lehm und Ästen. Kein Rauch. Kein Feuerschein. Kein Verrat. Das Fleisch garte stundenlang im eigenen Dampf. In der Mani, wo die Klephten besonders aktiv waren, ist Kleftiko kein Touristengericht. Es ist das Sonntagsessen der Familien, wenn Lamm da ist und Zeit vorhanden. Die Backpapier-Methode im modernen Ofen repliziert das Prinzip der versiegelten Grube: kein Dampf entweicht, kein Aroma geht verloren.

Die Klephten und die Mani – Geschichte auf dem Teller:

Die Klephten waren nicht schlicht Räuber. Sie waren der bewaffnete Widerstand gegen die osmanische Herrschaft vom 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert. In der Mani, die nie vollständig unterworfen wurde, hatten sie besonderen Rückhalt. Das Kochverfahren – ohne Feuer, ohne Rauch, vollständig vergraben – war eine Notwendigkeit des Überlebens. Heute ist es eine Technik. Kleftiko ist das Gericht, das die griechische Küche am direktesten mit ihrer Unabhängigkeitsgeschichte verbindet.
Schritt 1 – Marinade, ideal am Vortag: Lammteile (Keule oder Schulter, in grosse Stücke geschnitten) mit Olivenöl, Zitronensaft, gepresstem Knoblauch, Oregano, Salz und Pfeffer einreiben. In Zimt eine Prise beigeben – kaum messbar, aber spürbar. Über Nacht im Kühlschrank marinieren. Schritt 2: Ofen auf 160 Grad Umluft vorheizen. Backpapier grosszügig zuschneiden – mehrere Schichten übereinander, um ein Paket zu bilden, das vollständig dicht ist. Schritt 3: Kartoffeln schälen und grob vierteln. Zwiebeln in Ringe schneiden. Alles zusammen mit dem Lamm in das Papierpaket geben. Marinade vollständig darüber giessen. Kefalotiri-Käse in Würfel schneiden und dazugeben – er schmilzt und verbindet sich mit dem Lammjus. Schritt 4: Paket sorgfältig verschliessen – mehrfach falten, mit Küchengarn binden. Kein Dampf darf entweichen. In eine Backform legen. Schritt 5: Bei 160 Grad 3 bis 4 Stunden im Ofen. Für älteres oder grösseres Lamm bis zu 4,5 Stunden. Nicht öffnen. Nicht nachschauen. Das ist das Prinzip. Schritt 6: Paket öffnen, Ofen auf 220 Grad erhöhen, das Lamm 20 bis 25 Minuten ohne Paket bräunen. Dann 20 Minuten ruhen lassen – unter Folie. Erst dann servieren.

Welche Lammteile – und warum Keule besser ist als Kotelett:

Für Kleftiko braucht man Fleisch, das langes Schmoren verträgt. Keule am Knochen oder Schulter sind ideal. Filet ist falsch – es wird nach 3 Stunden Ofen zäh und trocken. Das Knochen-in-Fleisch gibt Kollagen ab, das den Jus bindet und das Fleisch feucht hält. Der Kefalotiri-Käse ist kein optionaler Zusatz. Er ist struktureller Bestandteil: Er schmilzt, verbindet sich mit dem Olivenöl und dem Lammjus zu einer natürlichen Sauce.

Zutaten & Tipps

  • Zutaten für 4 Personen: 1,5 kg Lammkeule am Knochen (in Portionen), 800 g Kartoffeln, 2 Zwiebeln, 200 g Kefalotiri, 4 Knoblauchzehen, Saft von 1 Zitrone, 4 EL Agureleo, 1 TL Oregano, Prise Zimt, Salz, Pfeffer, 2 Lorbeerblätter
  • Marinierzeit: Mindestens 2 Stunden, besser über Nacht
  • Vorbereitungszeit: 30 Minuten
  • Garzeit: 3,5 bis 4,5 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: Einfach – der Ofen erledigt die Arbeit
  • Beilage: Horiatiki-Salat, kein weiteres Gemüse nötig
Kleftiko ist das Gericht für Gäste, die man beeindrucken will, ohne den ganzen Tag in der Küche zu stehen. Die Arbeit ist minimal. Das Ergebnis ist maximal.
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Das Geheimnis dieses Rezepts?

Ein wirklich gutes Olivenöl macht aus einfachen Zutaten ein Festmahl. Wir empfehlen für dieses Gericht unser unfiltriertes Agureleo aus der Mani.

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